Gewaltfreie Kommunikation

Das Erleben von Konflikten gehört zum Leben jedes Menschen und ist eine wertvolle Möglichkeit, um einen konstruktiven und respektvollen Umgang mit anderen einzuüben. In Konfliktsituationen lernen Kinder, ihre eigenen Gefühle und Bedürfnisse wahrzunehmen und zu beschreiben und gleichzeitig auf die Bedürfnisse des anderen einzugehen.

Die Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg bietet für uns ein sehr geeignetes theoretisches Fundament, auf das wir die einzelnen Schritte unserer Streitschlichtung aufbauen.

In der Entwicklung dieser Schritte haben wir uns mit den 4 Elementen einer klaren Kommunikation nach Rosenberg beschäftigt:

  • „Sagen, was wir brauchen“: Bedürfnisse
  • „Sagen, was wir fühlen“: Gefühle
  • „Sagen, was wir beobachten“: Beobachtung
  • „Sagen, worum wir bitten“: Bitte

 

Ausgehend von diesen Grundgedanken und den Inhalten der Giraffensprache, die die Kinder auch im Rahmen des Friedenprogramms der Schule im 3. Schuljahr lernen und vertiefen, haben wir vier Schritte der Streitschlichtung entwickelt, die in allen Gruppen einheitlich durchgeführt werden.

1. Schritt:

Die Kinder willigen ein, sich an unsere Kommunikationsregeln zu halten

 
   

OHR:   „Wir hören uns gegenseitig zu und lassen uns ausreden.“

AUGE: „Wir schauen uns an.“

MUND: „Wir sprechen freundlich.“    


Diese Kommunikationsregeln werden von der Giraffe als Symbol aus der Gewaltfreien Kommunikation repräsentiert und zu Beginn

der Streitschlichtung den Kindern in Erinnerung gerufen. Nur wenn beide Kinder sich bereit erklären, diese Regeln anzuerkennen, ist eine Konfliktlösung möglich.

 

2. Schritt:

Jeder darf erzählen, was passiert ist. 

Jedes Kind darf aus seiner subjektiven Sicht den Verlauf des Konfliktes schildern. Dabei ist besonders wichtig, dass sich das Kind dabei ernstgenommen fühlt und ausreden darf. Der Erwachsene achtet auf die Einhaltung der Kommunikationsregeln. Er ermutigt schüchterne oder schweigsame Kinder durch freundliche Ansprache und findet mit Kindern, die sehr viel erzählen möchten, einen angemessenen Weg. Der Erwachsene hat die Rolle des Mediators, d.h. er ist unparteiisch und hat nicht das Ziel, den Schuldigen zu finden, sondern mit den Kindern gemeinsam eine gute Lösung herbeizuführen.

 

3. Schritt:

Die Kinder äußern ihre Gefühle.

Es ist wichtig, dass die Kinder sich ihrer Gefühle bewusst werden und diese auch äußern können. Das fördert die Selbstreflexion und macht dem anderen Kind deutlich, dass ein Verhalten verletzend sein kann. Der Erwachsene leitet die Kinder an, in der „Ich-Form“ zu sprechen. Hilfreich ist für die Kinder die Formulierung: „Wenn du …., dann fühle ich mich….

 

4. Schritt:

Die Kinder finden eine Lösung und treffen ein Abkommen.

Beide Kinder schlagen eine Lösung für den Streit oder Konflikt vor. Was möchte das eine Kind von dem anderen? Was muss getan werden? Dann wird der Vorschlag dahingehend überprüfend, ob die Lösung fair ist für beide und ob sie „in echt geht“, d.h. auch machbar ist. Haben die Kinder eine adäquate Lösung gefunden, treffen sie ein Abkommen und beenden die Streitschlichtung. Sie können sich z.B. die Hände reichen.

 

 

Diese vier Schritte sind in allen Gruppen visualisiert. D.h. die beiden Kinder gehen anhand der festen Abfolge nacheinander die einzelnen Schritte aufeinander zu, um sich beim letzten Schritt gegenüber zu stehen und ein Abkommen zu treffen.

Die Methode wird in jeder Gruppe mit Hilfe von verschiedenen Rollenspielen und Interaktionen eingeführt und immer wieder eingeübt und wiederholt. So lernen die Kinder vom 1. Schuljahr an eine konstruktive und einheitliche Konfliktlösung kennen und werden auch befähigt, Konflikte im Laufe der Zeit alleine zu lösen.

 

Vielen Dank an Christine Grothoff, Dipl.-Pädagogin, für die motivierende Unterstützung bei der Erarbeitung.

 


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